In manchen Situationen, zum Beispiel bei der Genehmigungen von Infrastrukturprojekten, muss der frühere (Nicht-)Bestand von Gebäuden oder anderer geographischen Gegebenheiten nachgewiesen werden. Dafür braucht es einen Vergleich von historischen und aktuellen Daten des gleichen Gebiets. Die Verortung alter Pläne und deren Aufbereitung in aktuellen Karten ermöglichen faktenbasierte Argumentation und das Erzielen von Entscheidungen.
Wenn die aktuellen Bestandsdaten bereits in einem GIS aufbereitet sind, fehlen noch die historischen Daten, die etwa aus alten Plänen unterschiedlicher Qualität eingespielt werden müssen.
In einem GIS kann man dafür das Tool Georeferencer verwenden.
Mit einem Georeferencer können die Lagepläne im Rasterformat auf geografische oder projizierte Koordinatensysteme referenziert werden. Entweder wird bei dem Vorgang ein worldfile erstellt, das Informationen zu Verzerrung, Orientierung und Koordinatensystem eines Bildes hat oder es wird ein neues Bild im Dateiformat GeoTiff, aus dem historischen Bild erzeugt, das neben dem Rasterbild zusätzliche Informationen über die Kartenprojektion und die Registrierung enthält. Liegt der historische Lageplan in Form eines GeoTiffs vor, kann dieses einfach in das GIS eingespielt werden.
Beim Vorgang der Georeferenzierung werden sogenannte Passpunkte in dem Rasterbild mit genauen Koordinaten bestimmt. Dafür müssen Punkte im unreferenzierten Bild mit denselben Punkten der referenzierten Geodaten im GIS verknüpft werden. Gut eignen sich dafür signifikante Grenzpunkte oder Flurstücksgrenzen, die sich über die Zeit nicht verändert haben.
Wenn der historische Lageplan nicht exakt gezeichnet oder sich die räumlichen Daten über die Zeit verändert haben, kann es schwieriger sein, idente Punkte zu finden. Um das Bild dennoch genau zu verorten, muss die Anzahl der gemeinsam gefundenen Punkte hoch genug und über den gesamten Bildauschnitt verteilt sein.
Zur Kontrolle kann das Bild nach Abschluss der Referenzierung in das GIS gespeist und unter die aktuellen Daten gelegt werden.
Sobald der historische Plan korrekt verortet wurde, können die Unterschiede (wie zum Beispiel Gebäudezuwachs der letzten Jahre) manuell festgestellt und die Veränderung farblich hervorgehoben werden.