Was die IÖB-Challenge für geotechnische Labordaten zeigt
Und warum die Verbindung von Geodaten und KI für Geotechniker:innen zunehmend entscheidend wird
Auf der IÖB Innovationsplattform haben wir im März 2026 unsere Lösung MoversSurvey im Rahmen der Challenge „Digitale Zukunft für geotechnische Labordaten: Effizient, strukturiert und sicher" eingereicht. Was dort als Einreichung skizziert wurde, verdient eine ausführlichere Einordnung – denn die Frage, wie geotechnische Labordaten strukturiert, räumlich verortet und langfristig nutzbar gemacht werden können, ist für unsere Zielgruppe längst keine akademische mehr.
Geotechnische Dokumentation ist kein Randproblem – sie ist Grundlage
Geotechnische Labordaten beschreiben den Untergrund: Bodenkennwerte, Probenparameter, Prüfergebnisse. Sie sind Grundlage für Planungsentscheidungen im Infrastruktur-, Tunnel- und Hochbau – und damit für alles, was danach kommt. Die ÖNORM B 4400 und verwandte Normen definieren, wie diese Daten mindestens dokumentiert sein müssen. In der Praxis bleibt die tatsächliche Umsetzung jedoch häufig hinter diesem Anspruch zurück.
Was in der Methodendiskussion oft unberücksichtigt bleibt: Normen regeln den Inhalt, nicht den Prozess. Wer bestimmt, wie Labordaten erfasst, abgelegt, versioniert und für spätere Auswertungen zugänglich gemacht werden, ist weitgehend den internen Gewohnheiten einer Organisation überlassen.
Die Lücke zwischen Probe und Planungsgrundlage
Geotechnische Laborberichte entstehen heute oft in einem hybriden Prozess: Handnotizen auf Papier, Excel-Tabellen als Zwischenschritt, PDF-Exporte als finales Dokument. Der räumliche Bezug – wo wurde diese Probe entnommen? Welches Geoobjekt ist betroffen? – ist in diesen Formaten bestenfalls in einem Dateinamen codiert, schlimmstenfalls gar nicht vorhanden.
Das hat Konsequenzen: Daten, die für Gutachten, Ausschreibungen oder Behördenverfahren benötigt werden, müssen aufwändig rekonstruiert oder manuell aufbereitet werden. Vergleichbarkeit zwischen Projekten ist die Ausnahme, nicht die Regel. Und die Frage, was frühere Untersuchungen an einem bestimmten Standort ergeben haben, lässt sich oft nur durch Suche in Aktenordnern beantworten.
Dieses Problem ist kein Einzelfall. Es ist ein strukturelles Merkmal eines Fachbereichs, der seine Daten bislang primär für den Bericht produziert – nicht für die Nachnutzung.
MoversSurvey: Strukturierte Erfassung mit räumlichem Bezug als Ausgangspunkt
MoversSurvey adressiert genau diese Lücke. Die mobile, offline-fähige Anwendung ermöglicht die standardisierte Aufnahme von Laborberichten direkt am Geoobjekt und an der Probe – mit konfigurierbaren Templates, die ÖNORM-konforme Mindestinhalte sicherstellen. Mehrere Prüfverfahren pro Probe, flexible Eingabe per Text, Foto oder Audio, GPS-Verortung: Das sind keine Features für den Showcase, sondern Anforderungen aus dem Arbeitsalltag von Labors und Baustellenteams.
Das Herzstück ist die Karte. Nicht als Beilage, sondern als zentrales Organisationsprinzip: Jede Probe, jedes Geoobjekt, jede Erfassung ist räumlich verortet und damit sofort in einen geographischen Kontext einbettbar. Was früher nur im Bericht existierte, wird zur Eingangsgröße für GIS-Teams, Planungsbüros und Behörden.
MoversSurvey ist keine Normierungsinstanz. Aber es ist das Werkzeug, das normkonforme Inhalte in einen räumlichen, digitalen und wiederverwendbaren Rahmen überführt – ohne Systembruch zwischen Felderfassung und Auswertung.
Wenn Labordaten analysierbar werden
Die zweite Lücke liegt auf der Auswertungsebene. GIS-Systeme können geotechnische Daten verwalten und darstellen – aber die Frage, was diese Daten in einem konkreten Planungskontext bedeuten, erfordert Fachkenntnis, Erfahrung und meistens eine Person, die beides hat und gerade verfügbar ist.
Kermit GeoAI adressiert diese Ebene: Als beispielsweise QGIS-natives Plugin ermöglicht es die natürlichsprachige Analyse von Geodaten – ohne GIS-Vorkenntnisse, direkt in der vertrauten Arbeitsumgebung. Im Kontext geotechnischer Projekte ist das relevant, weil Standortdaten, Probenergebnisse und räumliche Planungsinformationen zunehmend denselben Analyserahmen brauchen: Standortalternativen vergleichen, Ergebnisse aus früheren Untersuchungen einbeziehen, räumliche Muster in Bodenklassifikationen erkennen.
Kermit ersetzt kein GIS-System und kein Laborsystem – es ist eine Analyseebene, die auf dem aufbaut, was bereits vorhanden ist, und die Nutzung dieser Daten für Personen öffnet, die bislang auf Auswertungen anderer angewiesen waren.
Was das für die Praxis bedeutet
Die Verbindung beider Produkte beschreibt einen vollständigen Datenpfad: strukturierte Felderfassung und Labordokumentation mit MoversSurvey, Analyse und Entscheidungsunterstützung mit Kermit GeoAI, eingebettet in bestehende GIS-Umgebungen. Für geotechnische Büros und Labors, die unter dem Druck stehen, Dokumentationsprozesse zu professionalisieren und gleichzeitig das Wissen aus ihren Daten nutzbar zu machen, ist das ein nachvollziehbares Argument – ohne Systemwechsel, ohne große Einführungsprojekte.
Die IÖB-Challenge war für uns der Anlass, diesen Ansatz in einem öffentlichen Kontext zu schärfen. Die Jury-Bewertung unserer Einreichung läuft bis Ende Mai 2026. Unabhängig vom Ergebnis: Die Frage, wie geotechnische Labordaten strukturiert, räumlich verortet und langfristig zugänglich gemacht werden, bleibt offen – und zunehmend dringlich.
Wenn Sie sich für die Anwendungsfälle im Detail interessieren, finden Sie auf dieser Seite konkrete Use Cases und Case Studies. Für ein Gespräch zu Ihrem spezifischen Kontext stehen wir gerne zur Verfügung.
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