Warum wir bei den Austrian Standards mitarbeiten
MovingLayers begleitet Infrastrukturanbieter, Netzbetreiber und Versorger entlang der gesamten Geodaten-Wertschöpfungskette – von der Felderfassung über die Geodatenbank bis zur KI-gestützten Analyse. In genau diesen Projekten zeigt sich derselbe Befund, den wir auch auf der AGIT 2026 in Salzburg und beim BIM Lake 2026 am Bodensee vertreten haben: Die Integration von GIS und BIM scheitert selten an den Werkzeugen. Sie scheitert an fehlenden gemeinsamen Datenmodellen und offenen Standards.
Genau an dieser Stelle setzt Normungsarbeit an – und genau dort ist Dr. Jürgen Hahn seit Juni 2026 als neues Mitglied im Austrian Standards Komitee 084 „Geoinformation und Vermessung“ aktiv. Für uns ist das kein Nebenschauplatz, sondern die logische Fortsetzung derselben Frage, die wir bei Netzbetreibern, in der Genehmigungsplanung und im Produkt bearbeiten – jetzt eine Ebene tiefer, dort wo die Datengrundlagen selbst definiert werden.
Was das Komitee 084 tatsächlich verhandelt
Das Komitee normt die raumbezogenen Grundlagen von Geoinformationssystemen sowie die Vermessung – von Begriffen und Messverfahren bis zu Genauigkeitsanforderungen. Entscheidend ist die inhaltliche Verschiebung der letzten drei Jahrzehnte: Wo früher Zeichen- und Symbolschlüssel für die klassische Planerstellung im Mittelpunkt standen, geht es heute um Datenmodellierung, Datenbeschreibung (Metadaten), Datenqualität, den Austausch von Geodaten und um digitale Dienste (Web Services) samt ihren Schnittstellen.
Das sind exakt die Themen, die über gelingende oder scheiternde Integration entscheiden. Ein Schutzgebietslayer, ein BIM-Bauwerksmodell und ein Betreiber-Netzbestand lassen sich nur dann verlässlich zusammenführen, wenn Semantik, Struktur und Qualität der Daten vorab definiert sind – nicht erst im Projekt nachverhandelt werden.
Warum das für Infrastruktur und Versorgung zählt
Für Netzbetreiber und Versorger ist das keine akademische Frage. Bestandsdaten liegen im CAFM-System, Inspektionsdaten kommen aus dem Feld, Risikobewertungen und Genehmigungsprüfungen erfordern den Abgleich mehrerer Quellen – oft händisch, über Systemgrenzen hinweg. Genau hier arbeiten wir: In Referenzprojekten wie TNG (Transnet) und 50Hertz führen wir Geodatenverwaltung, Felderfassung und Prediction aus einer Hand zusammen, und in der Genehmigungsplanung für Energie-, Telekommunikations- und Versorgungsinfrastruktur analysieren wir Trassenverläufe, Betroffenheiten und Schutzgebietskonflikte.
Belastbar automatisierbar wird das aber erst, wenn die zugrunde liegenden Geodaten über Domänen hinweg vergleichbar sind – über Vermessung, Bauwesen (BIM), Verkehr, Energie, Telekommunikation und die Ver- und Entsorgungswirtschaft. Der Businessplan des Komitees benennt das unmissverständlich: Die rasanten technischen Entwicklungen – vom digitalen Zwilling über BIM bis zur mobilen Erfassung – „erfordern zwingend standardisierte Schnittstellen für Daten, Dienste und Prozesse“, und mit zunehmender Vernetzung wächst der Bedarf an Qualitätssicherung, Harmonisierung und Vergleichbarkeit der Daten. Für Infrastrukturanbieter heißt das konkret: Erst wenn Planung, Vermessung, Betrieb und Behörde auf einer gemeinsam definierten Datenbasis arbeiten, lassen sich Prüf- und Genehmigungsprozesse verlässlich beschleunigen.
„Normung ist kein Selbstzweck. Sie ist die stille Infrastruktur, ohne die Harmonisierung zwischen BIM und GIS und auch die Automatisierung im Geodatenbereich nicht verlässlich funktioniert.“
– Dr. Jürgen Hahn, Geschäftsführer MovingLayers
Eingebettet in den europäischen Rahmen
Nationale Normung im Bereich Geoinformation steht nicht für sich. Sie ist eingebettet in die technischen Spezifikationen des Open Geospatial Consortium (OGC) und die Normen des ISO/TC 211, die über die Wiener Vereinbarung und CEN/TC 287 ins europäische und österreichische Normenwerk übernommen werden. Dazu kommen die einschlägigen EU-Richtlinien – INSPIRE, Open Data/PSI, Umweltinformation – sowie die europäische Datenstrategie mit ihren sektoralen Datenräumen, darunter Energie, Mobilität und öffentliche Verwaltung.
Normen und Standards bilden dabei das Fundament, auf dem diese Vorgaben in Österreich überhaupt umsetzbar werden. Wer hier mitarbeitet, bringt österreichische Anwendungspraxis in einen Prozess ein, der weit über die Landesgrenzen hinaus wirkt – und sichert umgekehrt den Wissenstransfer zurück in die eigene Arbeit.
Was wir einbringen – und was wir mitnehmen
MovingLayers arbeitet täglich an der Stelle, an der Geodaten aus Feldaufnahme, Datenbank, Fachanwendung und Betreiberwissen zusammenlaufen – bei Infrastrukturanbietern, Netzbetreibern und Versorgern. Diese Praxiserfahrung, was in der Integration von GIS und BIM real funktioniert und woran es hakt, fließt nun in die Normungsarbeit ein. Umgekehrt schärft die Mitarbeit im Komitee unser Verständnis dafür, wohin sich Datenmodelle, Schnittstellen und Qualitätsanforderungen entwickeln – und damit auch, worauf sich unsere Kund:innen in den kommenden Jahren einstellen sollten.